De andere kant van de Tweede Wereldoorlog.

Over het Duitse verzet vanaf 1933 tot 1945.

-Unterstützung des deutschen Widerstands Franz Koenigs en Hans Leibholz

Verfasser: Christine F. Koenigs

(voor vertaling)

Franz Koenigs, geb.3.9.1881 in Kierberg, Verheiratet mit Gräfin Anna von Kalckreuth. Wohnte seit 1922 mit seiner Familie in Haarlem und erhielt am 9.Februar 1939 die niederländische Nationalität. Er starb am 6. Mai 1941 am Bahnhof in Köln.

„Einen wesentlichen Beitrag zur Hilfe für jüdische Flüchtlinge leistete Herr Koenigs von der Bank Rhodius Koenigs Handelmaatschappij, einer deutschen Firma in Amsterdam, liiert mit den Firmen Delbrück-Schickler in Berlin und Delbrück-von der Heydt in Köln. Dies waren nichtjüdische aristokratische deutsche Bankhäuser. Koenigs, der große Sammler der Rembrandtcollection, war ein couragierter Mann und half hier den jüdischen Flüchtlingen, während er gleichzeitig regelmäßig geschäftlich nach Deutschland reiste. Er hat auch ein Haus in der Innenstadt gemietet und als Club für diese Menschen einrichten lassen. Ich habe die Eröffnung in Anwesenheit von Koenigs noch miterlebt.“

Soweit der jüdische Amsterdamer Bankier Arthur Frankfurther in seinem Buch „Herinnering aan Joods Amsterdam“.[1] Hier erfuhr ich zum ersten mal davon daß mein Großvater nicht nur als Kunstsammler gerühmt wurde, sondern auch aktiv den Widerstand gegen Hitler unterstützte. Die große Zahl erstklassiger Zeichnungen die er Zeit seines Lebens sammelte, hatte musealen Umfang angenommen und wurde in der Kunstwelt allgemein gepriesen. Einen Monat vor dem deutschen Überfall mußte er diese Sammlung zu seinem großen Schmerz aus der Hand geben; denn er hatte 1931 bei einer deutsch-jüdischen Bank einen Kredit aufgenommen mit der Sammlung als Sicherheit. Als die jüdischen Gesellschafter die Bank 1939 liquidierten, um außer Landes zu fliehen, mußte die Sammlung in aller Eile weit unter dem realen Marktwert verkauft werden. Ein Teil dieser Sammlung befindet sich jetzt in Rußland im Puschkin-Museum, weil der Käufer sie an Hitler weiterverkauft hatte, während ein andrer Teil von 139 Altmeisterzeichnungen nach dem Krieg in der Ukraine auftauchte, von wo sie im Mai 2004 an die Niederlande restituiert wurden.
Einen zweiten Hinweis auf Widerstandshandlungen fand ich in einem Brief meines Vaters vom 10.August an Dr. Lou de Jong, den Direktor des Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie:[2]
“Dr.Ing. F.F.R. Koenigs an den Rijksdienst voor Oorlogsdocumentatie.
Geehrte Herren,
Hierbei möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf ein Beispiel gemeinsamen deutsch-niederländischen Widerstands lenken, das Ihnen wahrscheinlich noch nicht bekannt ist. In der deutschen Literatur über den 20.Juli wird es nicht erwähnt. Es geht um folgendes: Im Sommer 1941 überbrachte J.C. van der Waals aus Spanien einen Brief des deutschen Widerstands an die englische Regierung. Alles, was ich darüber weiß, geht zurück auf zwei Gespräche mit meinem Schwager van der Waals. Ich forderte ihn auf, die Sache an die Öffentlichkeit zu bringen; aber aus Bescheidenheit oder weil er der Sache keine besondere Bedeutung zumaß, kam er nicht dazu. Da die meisten Zeitzeugen jedoch schon nicht mehr leben, drängt die Zeit. […]
Mein Vater, F.W.Koenigs, war an der Firma „Almonte“ für Eucalyptusbäume in der Provinz Huelva in Spanien beteiligt, die unter der Leitung von Dr.Ing. P.H. Burgers stand. Mein Schwager befand sich auch dort, schon vor der Besetzung der Niederlande, um einen Zuchtbetrieb für Kräuterpflanzen aufzuziehen. Während der Monate März/April 1941 besuchte mein Vater „Almonte“ und machte van der Waals mit Dr.jur. Klaus Bonhoeffer[3] bekannt, der damals für die Lufthansa in Madrid tätig war. Bonhoeffer, ein Neffe meiner Mutter, hatte Ende der 20er bis Anfang der 30er Jahre bei Rhodius-Koenigs in Amsterdam volontiert. Er hatte uns im Winter 39/40 zusammen mit seinem Bruder dem Physiker[4] in Haarlem besucht. Anfang Mai verunglückte mein Vater in Köln, als er versuchte auf einen Zug aufzuspringen. Das Gespräch zwischen van der Waals und Bonhoeffer wurde später in Madrid geführt, wo auch der Brief an van der Waals übergeben wurde. Mündlich wurde van der Waals die wichtigste Neuigkeit mitgeteilt, daß sich jetzt auch Generäle bereit gefunden hatten mitzumachen. Daran anschließend wurde van der Waals von Dipl.-Ing. de Voogd, Schwager von Burgers und Honorarkonsul zu Sevilla an Bord eines niederländischen Frachtschiffs geschmuggelt. In England angekommen, wurde er wie jedermann im „Corner House“ von den Engländern verhört und auch die niederländische Botschaft wurde von dem Brief in Kenntnis gesetzt. In den Archiven dieser Dienststellen müssen deshalb noch Nachweise zu finden sein. Für Sie sind diese Quellen vielleicht eher zugänglich als für gleichfalls interessierte deutsche Stellen. Van der Waals hat dann während des gesamten Krieges als Matrose bei der niederländischen Marine gedient. Ich hoffe, daß Sie diesen Teilaspekt des Widerstand, der deshalb von Bedeutung ist, weil deutsch-niederländische Zusammenarbeit und auch Familienbeziehungen eine Rolle spielten, daß Sie dies näher untersuchen und möglicherweise publizieren wollen, wenngleich es noch stets einigen Schwarzweißmalern nicht gelegen kommen wird.“

Den dritten Hinweis auf eine aktive Rolle Koenigs im Widerstand fand ich 1995 im Public Record Office in London in den Archiven des Foreign Office. Zwei dort bewahrte Berichte beweisen, daß Koenigs Informationen über den Widerstand übermittelte und dies auch selbst finanzierte: Franz Koenigs übergibt der britischen Gesandtschaft am 23. September 1939 im Doelen Hotel Amsterdam Informationen.[5] Mr.D.Birnbaum [später Bingham] macht das Interview und der britische Botschafter in Den Haag Neville Bland übermittelt dessen Inhalt zusammen mit einer positiven Beurteilung an das Foreign Office: „K. is a German, naturalised  Dutch, immensely rich, managing director of Rhodius-Koenigs Handelmaatschappij Amsterdam, and a partner in Delbrück-Schickler in Berlin, and reported by B. to be violently anti-regime. K. has no objection to his name being known to officials but obviously it must otherwise be kept secret. I told B. that was just the sort report which was useful to us. I hoped he’d be able to get more from the same source.”
Der Bericht bringt auf 5 Seiten soziale, ökonomische und militärische Informationen über Deutschland, einschließlich neuerer Entwicklungen in der Waffenindustrie.
Ein weiterer Bericht anderen Inhalts mit dem Datum 3.November 1939 liegt vor.[6] Hier beschreibt Koenigs sein Kontaktnetz in Deutschland, das er den Briten als Informationsquelle zur Verfügung stellen will und schlägt Hans Leibholz als Kurier vor:

„We have also heard from Herr Hans Leibholz of Amsterdam, who is in my memorandum of the 14th September 1939 dealing with the activities of Messr.Rhodius Koenigs Maatschappij, a copy which is in your possession but for purposes of references I enclose another. Leibholz is a most important member of the ‚Koenigs Organisation‘, and kept au fait day by day with all the inner movements in Germany. Leibholz can be brought here at once, and would be willing to help us with the fullest information or in any other way me may wish to do.“ In a note from a J.L.S.Renny to Ivon Kirkpatrick from the British Foreign Office: „Regarding Leibholz of Amsterdam, I attach copy of my memorandum dated 14th September 1939, in which stress is laid on the importance of using this man as an informant, his partner Delbrück goes to and from Germany continually. Leibholz is an intimate of Bender and myself and is willing to be used by us.“
Es dauerte mehr als 6 Jahre bis ich herausfand, wer Hans Leibholz, der Kurier meines Großvaters, eigentlich war. Obwohl ich den Namen schon einmal gehört hatte, wußte ich als einziges, daß er in der Van der Aastraat in Den Haag gewohnt hat; bis ich bei der Durchsicht von Archivlisten im Bundesarchiv in Koblenz auf den Namen Gerhard Leibholz stieß. Bei Nachfrage erfuhr ich daß Hans der ältere Bruder von Gerhard Leibholz war. Koenigs finanzierte nicht allein Wohnraum für aus Deutschland geflüchteten Juden und übermittelte den Briten Informationen wozu er ein aus eigenen Mitteln finanziertes Kontaktnetz unterhielt. Auch Hans Leibholz verdiente auf diese Weise seinen Lebensunterhalt. Leibholz war ursprünglich Richter in Berlin und heiratete 1935 Margarethe (Totta) Koehler, die ‚arisch‘ war. Ein paar Monate nach ihrer Hochzeit, am 15.September 1935, erschien die erste Serie der Nürnberger ‚Rassegesetze zur Reinhaltung des deutschen Bluts und deutscher Ehre‘ und zur Stellung der Juden im Reich; danach flüchtete das Ehepaar Leibholz nach Den Haag und wohnte in der Van der Aastraat. Sabine Bonhoeffer, die Zwillingsschwester von Dietrich Bonhoeffer war mit Gerhard Leibholz verheiratet. Klaus Bonhoeffer war verheiratet mit Emmy Delbrück. Damit schloß sich der Kreis, in den Koenigs nicht allein Familienmitglieder seiner Frau Anna (Mucki) von Kalkreuth, sondern auch persönliche Freunde und Geschäftspartner mit einbezog. Muckis Eltern waren Berta Yorck von Wartenburg und Leopold von Kalckreuth. Mucki war eine direkte Kusine von Paula von Hase, die mit Karl Bonhoeffer verheiratet war (Ihre Mutter Clara geb. Gräfin von Kalckreuth war die Schwester von Leopold); ihre Kinder Karl Friedrich, Klaus, Ursula, Christine, Sabine und Dietrich nahmen alle teil am Widerstand gegen Nazideutschland. Aber Mucki war auch als Kusine von Peter Yorck verwandt mit Helmuth von Moltke. Die Schwester von Mucki, Ninne von Kalckreuth hatte Dietrich Bonhoeffer in ihr Haus in München aufgenommen. Obwohl Dietrich dort offiziell registriert war, war er nie zu Hause, und es gelang Ninne die sehr pfiffig war immer wieder die Gestapo in die Irre zu führen. Emmy Delbrück war nicht nur mit Klaus verheiratet, vielmehr stand auch ihr Vater Prof. Hans Delbrück auf Koenigs Kontaktliste an dritter Stelle notiert. Als Nachfolger seines Onkels Felix Koenigs war Franz Koenigs mit 19 Jahre selbst Teilhaber an der Firma Delbrück Leo & Co. Sein Großvater Franz Wilhelm Koenigs war einer der Firmengründer. Auf Nachfrage bei Marianne Leibholz, der Tochter von Sabine und Gerhard erfuhr ich, daß niemand davon wußte, weder daß Koenigs beim Widerstand war und Informationen weitergab, noch daß ihr Lieblingsonkel Hans dabei als Kurier mitwirkte. Beide Männer waren schon am Beginn des Krieges aktiv und gehörten sozusagen zur Vorhut des 20. Juli. Daß niemand davon wußte ist unter anderem dem Umstand zu danken, daß beide Männer früh starben. Sabine Leibholz beschreibt in ihren Büchern „Vergangen, Erlebt, Überwunden“,[7] und „Weihnachten im Hause Bonhoeffer[8], wie ihre Eltern mit den Töchtern nach Holland kommen und sie selbst mit ihrem Mann Gerhard aus London wohin sie geflüchtet waren nach Haarlem kommen, wo bei Tante Mucki Koenigs-Kalckreuth eine Familienzusammenführung jüdischer Flüchtlinge stattfindet. Sie feiern zusammen Weihnachten und besuchen auch Onkel Hans. Sabine schreibt: “Er war Landsgerichtsrat gewesen, freilich war er nun in Holland nicht mehr als Jurist tätig, sondern arbeitete kaufmännisch, was ihn hin und wieder nach London führte.” Aber bei Dietrich Bonhoeffer findet sich eine Postkarte von Sabine Leibholz vom 8.11.38 aus London, drei Tage nach ihrer Ankunft mit Gerhard Leibholz, auf der sie die Fahrt nach England beschreibt. Der vorletzte Satz lautet: “Gerds (Gerhards) Bruder Hans ist hier in London im geschäftlichen Auftrag der Koenigs”. In der Fußnote dazu heißt es “Familie Koenigs, Verwandte von B. in den Niederlanden.”[9] Aber niemand hatte eine Ahnung davon, daß die vielen Reisen die Leibholz für Koenigs machte gar nicht geschäftlicher Art waren, sondern daß er persönlich wichtige Informationen über die Entwicklung in Deutschland weitergab. So hat auch Hans Leibholz seinem Bruder Gerd schon vor dem Krieg geraten, eine Summe Geld nach England zu schleusen. Er empfahl Eberbach, und Gerd sandte diesem 50.000 RM , damals ein bertrag für den man damals in Göttingen ein grosses Haus mit Garten kaufen konnte. Eberbach standt auf der Liste von Koenigs, als Schwiegevater von Martin Bormann. Das Geld hat nie England erreicht und Gerd Leibholz wusste nicht, dass Eberbach zu Familie von Martin Bormann gehörte, so dass Gerd nach dem Krieg keine Spur von Eberbach finden konnte.

Alle in den Niederlanden wohnenden Deutschen, auch Hans Leibholz, wurden am 9.Mai 1940 interniert, damit sie nicht von innen heraus den Nazis nützlich sein konnten; offenbar machte man in den Niederlanden überhaupt keine Unterscheidung zwischen Deutschen und deutsch-jüdischen Flüchtlingen. Franz Koenigs wurde am 9.Mai in Berlin zusammen mit mehreren prominenten Niederländern verhaftet und wurde zur niederländischen Gesandschaft in Berlin verwiesen, die ebenfalls von Hitler gefangen gehalten wurde, um zu verhindern, daß sie in die Niederlande berichten konnten. Koenigs blieb bis zum 20.Mai 1940 zusammen mit der niederländischen Gesandschaft in Friedrichshafen am Bodensee interniert. Am 15.Mai nach der niederländischen Kapitulation wurde Hans Leibholz freigelassen. Derweil war jedoch Hans‘ Frau, weil sie dachte, daß die Verhaftung mit seiner Person zu tun hatte, außer sich vor Angst und hatte aus Furcht vor einer Hausdurchsuchung alle seine Papiere verbrannt. Bei diesen Papieren befanden sich auch die englischen Reisedokumente die der britische Geheimdienst dem staatenlosen Leibholz und seiner Frau ausgestellt hatte. In dieser ausweglosen Situation, denn ihre Sicherheit war von diesen Papieren abhängig, begingen Hans Leibholz und seine Frau noch an demselben Abend Selbstmord.

In einem Brief Dietrich Bonhoeffers an die Familie Leibholz vom 19.9.1941 heißt es: „I shall try to find out if your brother‘s housekeeper knows anything about his death….“ In der Fußnote wird dazu ergänzt: „Hans Leibholz, ältester Bruder von G.Leibholz, hatte, nach Holland emigriert, beim Einmarsch der deutschen Truppen Suizid verübt.“[10]

Umfang und Bedeutung des Kontaktnetzes war den daran beteiligten Informationsbeschaffern, den Geschäftsfreunden, Bekannten und Familienmitgliedern kaum bzw. überhaupt nicht bekannt; oder in welcher Weise von ihren Informationen Gebrauch gemacht wurde. Hier ein britisches Gesprächsprotokoll vom 14.September 1939:
“Hans Delbrück, Landesgerichtsrat a.D. Hans Leibholz, H.A. Brassert, Hommel, Eberbach, one of Koenig’s partners and most important collaborator is Herr Abs, who left Delbrück-Schickler in 1938, to become a member of the Board of the Deutsche Bank (Foreign Department Director). Delbrück-Schickler is an old private banking house in Berlin, which, recently has come very much to the fore, firstly because of the remarkable talents of Abs, and, secondly, as a result of the disappearance of most of the Jewish private banking houses. It was through Koenigs-Delbrück that the Dresdner Bank returned to private ownership, being bought back from the German Reich by the transfer of twenty two million shares. recently, the activities of the Delbrück-Schickler Bank have been directed towards the textile industry. One of Koenig’s subsidiary companies in Germany is the Internationaler Maratti Maschinen-Verkaufs A.G. of Berlin, C.2. an der Stechbahn, 3-4, which has branch companies in various parts of the world including England (International Maratti High Speed Knitting Machines Ltd.) The sole member of Maratti’s board in Berlin is Major a.D. von Goldammer, during the Great War General Staff Officer to the Chief of Staff of the 6th Army, General von Beck, who later, became German General Chief of Staff, and who resigned during the September crisis, 1938. After 1918, von Goldammer was personal adjutant of the Chief of the German Army Command, von Seeckt, and in this capacity took part in the Peace negotiations in Paris and London. As a result of these activities, he became friendly with the English and Italian members of the Inter-Allied Commission.Major A.D. von Goldammer, General von Beck, General von Seeckt, General von Schleicher, Colonel Niedermeyer, Colonel Schunke, Erwin Planck, Paul Rohde, Günther Quandt,  Rittmeister A.D. Karl Bolle, Otto Hübner, dr. Carlos Wetzell , Ministerialdirektor Lange, Rosenberger, General Secretary Deutscher Club. Von Goldammer is one of the focal points for all Franz Koenigs connections and relations, and is a very close friend of his. Von Goldammer and his circle are devoted in private to those ideas which, under the ‘Drittes Reich’, are designated as ‘reactionary and monarchical’. Rhodius Koenigs’ connections with the German High Command originated from General and War Minister von Schleicher, who was shot during the 30th of June revolt, General Chief of Staff von Beck, and Lieut. Col. von Niedermeyer, Lawrence of Arabia’s former opponent in Palestina and Persia, and who, after 1918, collaborated for eight years with Lieut.Col. Schunke on the Russian General Staff, and acted also as  manager of the German secret arms factory in the U.S.S.R. Rhodius Koenig’s connection with the former German Secretary of State, Erwin Planck is partly political partly industrial. Close relations exist between Planck and von Goldammer. Planck, son of the great German physicist, was head of the Reichs Chancellery offices in the Schleicher/Von Papen Cabinets, and is now nominal General Secretary to Otto Wolff, the German iron and steel industrialist, but is actually the most important intermediary for the German heavy industries, in particular for the Great German Armament concern Berlin-Karlsruher Waffenfabrik A.G. the chief of shareholders of which are Paul Rohde and Günther Quandt. A member of the Board of this company is the former well-known aviator Rittmeister a.D. Karl Bolle (Pour le Mérite). Rohde supplied Hauptmann Röhm with Arms, for which deed he was placed under arrest for some time. Quandt was the first husband of Magda Goebbels. Karl Bolle is the brother-in-law of Planck. Bolle and Planck are in their turn relatives of von Goldammer.

Through von Goldammer personal contact is also made with Brassert. By arrangement, a conversation took place between Brassert and von Beck a few weeks ago, in which Brassert, from the economic point of view, and von Beck, from the military point of view, both arrived to the conclusion that Germany cannot win a World War.” Es folgen noch mehr Namen und der Bericht konkludiert: “He and others mentioned above, can be approached by us as ardent champions of Conservatism and as such they represent the tendencies of the monarchist and industrial circles of Germany, who are open to our influence and directions for the counter-revolutionary action to destroy National Socialism.

N.B. My suggestion for the immediate use of this is to establish contact at once with Herr Hans Leibholz, The Hague, van der Aastraat 50, through myself, and my German informants now in England. 14-9-39.”

Wenn es so ist, daß Franz Koenigs und Hans Leibholz häufig Berichte nach England brachten, wie auch die Reisen nach London vermuten lassen, dann glaube ich, daß noch mehr Quellenmaterial über ihre Aktivität gefunden werden kann, falls die Kontakte unmittelbar vom MI-6 und MI-5 organisiert worden sind.

Seit 1923 hatte Koenigs den Banklehrling Hermann Josef Abs unter seine Obhut genommen, um ihn, als wäre er sein eigener Sohn, zu seinem Nachfolger auszubilden. Abs kam nach Haarlem, wo er nicht nur ins Bankwesen eingeführt, sondern auch zum Sammeln von Kunst angeregt wurde; Geschäftsreisen instigniert von Koenigs führten ihn nach Chicago, London und nach Berlin zu Schickler&Delbrück.[11]

Gemeinsam mit Dr.Otto Strack repräsentierte Koenigs seit 1938 Delbrück von der Heydt, bei der Rheinboden (Rheinisch-Westfälische Boden Creditbank). Dr.Hans von Dohnanyi, Schwager von Dietrich Bonhoeffer, wurde im Herbst 1941 nach dem Ausscheiden Friedrich Sperls in den Vorstand der Rheinboden berufen. Er arbeitete seit 1941 unter dem Nazigegner Hans Oster im OKW-Amt Ausland/Abwehr; davor war er persönlicher Referent des Reichsjustizministers Gürtner. Die Berufung in den Vorstand der Rheinboden wurde von Hermann Josef Abs veranlaßt, der der Bank riet, sich „diesen Mann nicht entgehen zu lassen.“[12] Franz Koenigs war zwar im Herbst 1941 gestorben; doch bestehen wenig Zweifel daß der Kontakt zwischen Abs und Dohnanyi über familiäre Bande von Koenigs gelaufen ist.

Vom 24.April 1941 bis zum Tag vor seinem Tod hat Koenigs täglich Aufzeichnungen gemacht. Sie beginnen mit der Reise von Madrid über Barcelona nach Berlin, wo er am 24.April den Zug zurück in die Niederlande besteigt.
Er vermerkte, daß er von einem gewissen ‚Frahm‘ einen Brief erhalten habe und hoffte, Frahm am folgenden Tag zu treffen. Am 29.April 1940 vermerkte er: „Heute Mittag eine  kurze Besprechung wegen Frahm, ich hoffe ihr bringt bald ein Telegramm aus Madrid. Am 5.Mai dem Tag vor seinem Tod endet das Tagebuch: „5/5 Warte in Amersfoort auf den Zug nach Berlin, vor einem Jahr fuhr ich auch in die Richtung u. übernachtete in Oldenzaal und schrieb dort zum letzten Mal aus dem alten Holland . Hast du den Brief bekommen? Dicht vor der Grenze bat ich den Chauffeur ihn einzuwerfen u. er tat es auch. Damals war es schönes Wetter u. keiner kalt, ganz kalt du — Franz.“

Ist es möglich daß mit ‚Frahm‘, der sich später Willy Brandt nännte, der am 18.Dezember 1913 geborene Herbert Frahm gemeint ist? Koenigs ältester Sohn, Ernst Magnus Koenigs geb.31.5.1916, wurde von ihm 1936 von Berlin nach London versetzt, weil er wegen seiner Mitwirkung bei einer linken Widerstandsgruppe in Gefahr war. In London meldete er sich direkt beim republikanischen Widerstand in Spanien und nahm dort unter dem Namen Edwin Kraus an den Kämpfen in Spanien teil. Er diente bei der P.O.U.M.[13] in Melitia und wurde im Frühjahr 1937 bei Barcelona aus ein Flugzeug erschossen. Herbert Frahm, der spätere Willy Brandt, war zwischen September und Dezember 1936 bei einer Untergrundorganisation der SAP, Metro in Berlin tätig und dann im Jahr 1937 als Kriegsberichterstatter im spanischen Bürgerkrieg auch bei der P.O.U.M.. Kurz davor war Herbert Frahm auch in den Niederlanden. Ist es deshalb möglich, daß der von Koenigs erwähnte Frahm mit dem späteren Willy Brandt identisch ist? Viele Fragen sind noch unbeantwortet.

Wie aus dem Brief meines Vaters hervorgeht, hat Franz Koenigs bis zu seinem Tod Informationen weitergegeben. Für die Vermutung daß er von der Bahnsteigkante gestoßen, also ermordet wurde, fehlen die direkte Beweise. Die Zeugenprotokolle aber geben verschiedene Zeiten für seinen Tod an; einmal ist die Rede vom Vormittag, während die Bahnpolizei den Tod mit 17:20 Nachmittags angibt. Franz Koenigs fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof Melaten in Köln.

Christine Koenigs © januar 2005

 Amsterdam, Nederland


[1] Amsterdam, 1978 Hg. Philo Bregstein u. Salvador Bloemgarten. Das Buch umfaßt Texte im Zusammenhang mit dem Dokumentarfilm: „Op zoek naar Joods Amsterdam“, der zum Anlaß der 700-Jahrfeier von Amsterdam produziert worden war.

[2] Dr. Lou de Jong hatte 1945 von der niederländischen Regierung den Auftrag erhalten, um eine die Niederlande betreffende Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu schreiben.

[3] Klaus Bonhoeffer, geb.5.Januar 1901. Am 23.4.1945 meuchlings erschossen. Er war zusammen mit Rüdiger Schleicher vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt worden.

[4] Karl-Friedrich Bonhoeffer, geb.13.01.1899; gest. 1955 in Göttingen.

[5] PRO/FO 23012 im Archiv der Forschungsgemeinschaft 20. Juli.

[6] ibd. 23013

[7] GTB ISBN 3-579-01122-7 S.107-123

[8] GTB ISBN 3-579-01545-1 S.62,67-70

[9] D.Bonhoeffer, Bd.15 S.76

[10] ibd. Bd.16 S.204

[11] Prof. Klara von Eyll, Wirtschaftsarchiv Köln

[12] 100 Jahre Rheinboden Hypothekenbank AG S.103-104

[13] Internationalistische und antistalinistische Kommunistische Partei.